Zu Beginn des Monats Mai freute sich die Universität Hamburg via Twitter, dass sie in den Rankings des CHE nach oben geklettert war.

Wer angesichts des revolutionär klingendem Kürzels annimmt, dass es sich dabei um eine studentische Arbeitsgruppe von BildungsstreikaktivistInnen handelt irrt.

“Zur Marke “CHE” gehören zwei Gesellschaften mit unterschiedlichem Leistungsangebot” (Quelle: Hompege CHE)

Die “Gesellschaft”, die die Hochschulrankings erstellt, besteht aus Mitgliedern der Bertelsmann Stiftung und Mitgliedern der Stiftung zur Förderung der Hochschulrektorenkonferenz. Diese Rankings  sollen deutsche Universitäten vergleichen und so Orientierung über die Güte der Hochschullandschaft geben.

“Neben den „pro-Kopf“-Forschungsindikatoren (z.B. Drittmittel pro Wissenschaftler1), die im HochschulRanking ausgewiesen werden, werden im ForschungsRanking auch die Absolutwerte (z.B. die Drittmittelsumme) berücksichtigt.” (Quelle: Das CHE-Forschungsranking
deutscher Universitäten 2009/PDF S. 10
)

Angesichts eines bewerteten Vergleichs, mittels Indikatoren wie Geldbeschaffung, durch eine Gesellschaft drängen sich Assoziationen zum Dilemma des griechischen Staates im Zusammenhang mit Ratingagenturen auf. Es geht um viel Geld, und wer davon zu wenig hat bekommt noch weniger. Die Wirkungsweise ist mit dem der Bundesexzellenzinitiative vergleichbar.

Das die Universität Hamburg sich über eine gute Platzierung freut ist nachvollziehbar. Wenn schon Stufen auf dem Siegertreppchen, deren Nummer massive Auswirkung auf die mittelfristige Zukunft einer Universität haben, vergeben werden, erscheint das Streben an die Spitze nur logisch. Davon ab handelt es sich ja auch um ein Vergleich von Universitäten. Der Indikator Geld ist schließlich nur einer von mehreren. Das Messen von Hochschulen wird notwendigerweise auch in qualitativen Kategorien geschehen müssen, so dass das fröhliche Gezwitscher der Uni Hamburg nur konsequent ist.

“Bei den nachfolgenden Fächern erreichte die Universität Hamburg Plätze in der Spitzengruppe: die Erziehungswissenschaften punkteten beim Indikator „wissenschaftliche Veröffentlichungen pro Wissenschaftler/in“, die Anglistik/ Amerikanistik bei den Indikatoren „Forschungsgelder“ und „wissenschaftliche Veröffentlichungen pro Wissenschaftler/in“.” (Quelle: Pressemitteilung der Uni-HH)

Quantität statt Qualität auch in den wissenschaftlichen Bereichen!

Kein wunder also, dass sich immer mehr Hochschulen von dem Ranking emanzipieren, weil sie die Kriterien ablehnen, mit denen verglichen wird.

Und dennoch sind das CHE-Hochschulranking und die Bundesexzellenzinitiative, wenn nicht die größten, so doch zumindest zwei der größten Einflussfaktoren, die im 21. Jahrhundert den Fortbestand oder Niedergang einer deutschen Hochschule bestimmen. Brilliante Köpfe, mit gewichtigen Argumenten und Ideen die gleichermaßen Tiefe und Weitblick besitzen reichen nicht mehr aus. Erste Unis sehen sich bereits von Schließung bedroht; nicht weil sie nicht gut wären, sondern weil das Geld fehlt.

Wie wird es weitergehen? Wie soll es weitergehen?

Werden wir in naher oder mittelfristiger Zukunft den Erhalt einer Hochschule ähnlich diskutieren wie die Massenproduktionsstätten von Nokia oder Opel, die angesichts der Kosten kurzerhand in ein anderes Land verlegt werden? Werden wir als Gesellschaft wählen müssen, ob wir Lehrer oder Ärzte ausbilden?

Wie sehen mögliche Alternativen für die Zukunft aus? Wie sehen mögliche Alternativen für die Gegenwart aus?

Diese und andere Fragen können und sollen ihren Raum auf der Konferenz “Schöne neue Bildung?” bekommen!

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