(Foto by transCam)

Während der Diskussion am Freitag, die sich mit den Themen “Ausstieg aus oder Reform des Bachelor-Master-System” und wenn Reform, soll diese auf dem Bachelor oder den alten Studiengängen aufbauen, verwies Hr. Richter in seinem Statement auf eine überarbeitete Prüfungsordnung für den Diplom-Studiengang Erziehungswissenschaft aus dem Februar 2003 (PDF), die offiziell verabschiedet und auch im Amtlichen Anzeiger veröffentlicht wurde. Sie kam jedoch nie zur Anwendung, da zu dem Zeitpunkt bereits angeordnet worden war, dass Bachelor- und Masterstudiengänge eingeführt werden müssen.

Zum Vergleich die – derzeit noch gültige – Diplomprüfungsordnung aus dem Jahre 1985, die durch die überarbeitete Version abgelöst werden sollte (PDF) und die aktuelle B.A.-Prüfungsordnung aus dem September 2007 (PDF).

(Foto by datenhamster.org)

Share

Was zum Teil in den Studierendenstimmen der Fakultät EPB, der Uni-HH, schon zum Ausdruck kam, setzt sich auf europäischer Ebene fort. In einem Newsletter des Deutschen Hochschulverbandes wird auf eine Studie im Auftrag des Bundesminesteriums für Bildung und Forschung verwiesen, in der über 17.000 Studierende von Wissenschaftlern der Uni-Konstanz befragt worden waren.

Der Befragung zu folge “hält die Mehrheit der Studierenden den Umfang des Lernstoffs im Bachelor-Studium für übertrieben. Zwei Drittel haben selten oder nie Kontakt zu ihren Dozenten. Lediglich sieben Prozent gaben an, unmittelbar mit ihren Dozenten zu tun zu haben. Zudem halten die meisten Studierenden ein Master-Studium für sehr wichtig. Zwar würden nur 49 Prozent in den Master gehen, um sich persönlich weiter zu entwickeln. Aber neun von zehn Bachelor-Studierenden halten ein Master-Studium für “sehr nützlich” (72 Prozent) oder “nützlich” (17 Prozent), um ihre Berufsaussichten zu verbessern. Dass die Bedingungen für den Übergang in ein Master-Studium unklar sind, empfinden Studierende als Belastung. Laut Umfrage trägt die neue Studienstruktur bislang nur wenig dazu bei, die internationale Mobilität zu erhöhen.”

Viel zu tun also!

Was die Hintergründe dieser Reformen sind, wie sie sich auswirken und was für Alternativen denkbar sind, dass soll auf unserer Konferenz Thema sein.

An der Uni-HH wurden anlässlich der Konferenz  Studierende gebeten ihre Gedanken zum Bachelor kund zu tun. Hier ist, was sie gesagt haben als PDF zum Download oder im Folgenden als Video.

230 Studierndenstimmen from EvoluSiN on Vimeo.

Share

Im letzten Semester und auch während der Besetzung des Audimax wurde offensichtlich, dass es kein Forum gibt, das der nötigen kritischen Reflexion des Status quo und der Entwicklung (Transformation) der Universität mit all ihren Symptomen gerecht wird. Ein Forum, in dem sich StudentInnen, wissenschaftliche MitarbeiterInnen und ProfessorInnen mit der allgemeinen Umsetzung des Bachelor-Master-Systems und den damit verbundenen radikalen Veränderungen, der Gier nach Exzellenz (Was ist das eigentlich?), dem Zwang zu allumfassenden Wettbewerb, dem Lernende und Lehrende sich alltäglich zu unterziehen haben, der stark eingestampften demokratischen Selbstverwaltung und der Zeitnot, die allen zu Leibe rückt, auseinandersetzen können, um gemeinsam Konsequenzen zu erkennen und zu ziehen.
Wie wollen wir lernen? Wie wollen wir lehren? Wie sollte Universität unserer Meinung nach belebt und beliebt werden? Ist die Aufgabe der Universität, „ihre Kräfte für die Gestaltung einer humanen, toleranten und friedlichen Welt einzusetzen“ (Leitbild Uni Göttingen, 2006) bzw. „zur Entwicklung einer humanen, demokratischen und gerechten Gesellschaft bei[zu]tragen“ (Leitbild Uni Hamburg, 1998), in Zeiten des Neoliberalismus obsolet geworden?

Eine Konferenz muss her
Verschiedene Mitglieder der Universität haben sich in unzähligen Gesprächen entschieden, diesen Raum mithilfe einer Konferenz zu schaffen bzw. zu eröffnen, auf der Fragen wie die oben genannten mit Studierenden sowie internen und externen RednerInnen aus verschiedenen Universitäten diskutiert werden können. Daraufhin wurde im vergangenen Jahr von den studentischen VertreterInnen im Fakultätsrat der Antrag gestellt, diese Konferenz zur kritischen Reflexion der Ba-Ma-Einführung mit der Perspektive des Ausstiegs aus diesem System noch im Wintersemester durchzuführen. Der Fakultätsrat hat diesen Antrag im April 2009 einstimmig beschlossen.
In der sich kurz darauf gegründeten Vorbereitungsgruppe der Konferenz, bestehend aus Studierenden, Lehrenden wie Ingrid Lohmann, Andrea Liesner, Karl-Josef Pazzini, Wolfgang Hoops, Stephanie Maxim, Andrea Sabisch, Kerrin Kamzela und Benedikt Sturzenhecker wurde entschieden, die mehrtägige große Konferenz in diesem Sommersemester auszurichten. Um bereits kurzfristig eine größere Öffentlichkeit für die Auseinandersetzung mit den Folgen des Bologna-Prozesses zu schaffen und um kurzfristige Verbesserungen zu erreichen, haben wir am Ende des Wintersemesters eine kleine Konferenz im PI-Foyer durchgeführt. Auf dieser kleinen Konferenz sprachen Studierende und verschiedene Lehrende zu Gründen, Grenzen und Auswirkungen des Ba-Ma-Systems. Die Dokumentation des Tages befindet sich auf der FSR-Homepage (www.fsr-erzwiss.de).

Von der kleinen zur großen Konferenz
Seitdem trifft sich die Vorbereitungsgruppe wöchentlich, um die Konferenz vorzubereiten. Nach etlichen Diskussionen über die inhaltliche Ausrichtung der Konferenz, hat sie den Titel „Schöne neue Bildung? – Konferenz zur kritischen Reflexion der Transformation der Hochschulen und Entwicklung emanzipatorischer Alternativen“ erhalten. Stattfinden wird sie vom 16. bis zum 18. Juni 2010 (Mittwoch bis Freitag) im PI (VMP8, Campus).

Die drei Konferenz-Tage stehen unter verschiedenen Oberthemen:

  • Am Mittwoch wird es um eine kritische Reflexion der Rahmenbedingungen und Hintergründe der laufenden Reformprozesse und ihre Auswirkungen auf die Hochschulen gehen,
  • am Donnerstag sollen Perspektiven und Alternativen vorgestellt und diskutiert werden und für
  • Freitag wird ein Rahmen für die breite Diskussion konkreter Schlussfolgerungen für die Studiengänge und die Lehr-Lern-Gestaltung an unserer Fakultät vorbereitet.

Bisher haben u.a. Ralf Ptak von der Uni Köln, der sich mit der politischen Ökonomie der aktuellen Bildungsdebatte und die Zurichtung der Bildung auf den ökonomischen Zweck auseinandergesetzt hat, Jan Masschelein von der Uni Leuven, der vor kurzem das Buch „Jenseits der Exzellenz“ herausgebracht hat, Ingrid Lohmann, Wolf-Dieter-Narr und Torsten Bultmann (BdWi) ihr Kommen zugesagt.
Am Donnerstagabend findet eine Podiumsdiskussion zum Thema „Die Sinnfrage stellen: Uni zwischen Unternehmertum und kritischem Aufruhr“ statt. Eingeladen sind u.a. der neue Unipräsident Dieter Lenzen sowie einer der ehemaligen Präsidenten der Uni Hamburg, Peter Fischer-Appelt.

Share